Ich habe mir vor Jahren ein Faltboot gekauft. Es sollte alles können, also rudern, segeln und unter Motor fahren. Meine Wahl war ein Klepper Aerius II. In Berlin war nix zu bekommen. Hier scheinen alle nur Pouch RZ85 gekauft zu haben. In der Nähe von Frankfurt am Main bin ich fündig geworden. Der Vorbesitzer hatte es seit den 90ern in seinem Besitz. Wie alt es ist wusste er auch nicht. Vielleicht aus den 70ern? Es sah nicht mehr schön aus, aber es schwamm noch.

Die erste Testfahrt führte uns auf den Liepnitzsee. Es knarzte etwas und nach einer Weile wurde etwas Wasser durch die alte Haut gedrückt. Nichts besonders schlimmes. Es hat Spaß gemacht. Ich machte mich erstmal daran das Holz zu restaurieren. Mein Gott wie viele Einzelteile! Es dauert Wochen. Die Holzsitze waren auch nicht sehr bequem, also wurden Polster genäht. Dann lösten sich die Nähte der Bootshaut auf. Mit einer Nähahle konnte man es wieder flicken.

Die alten Transporttaschen waren auch nicht mehr toll, ich habe neue genäht. Als wir dann an der Müritz Urlaub machen wollten kam das Boot natürlich mit. Vorher noch einen Motorhalter gebaut aus eine Eichenholzbrett und los. Diesmal wollten wir auch die Segel probieren. Das Segeln war eine einzige Katastrophe. Es braucht nur einen kleinen Windstoß und das Boot neigt zum kippen. Meine Frau hatte Todesangst und wollte nie wieder damit segelt gehen. Das fahren mit Paddeln oder mit dem kleinen Elektroaussenborder machte aber großen Spaß.
Irgendwann musste dann eine neue Haut für das Boot her. Die alte war einfach zu kaputt, es fand sich aber noch ein Käufer. Eine Firma aus Polen stellt solche Häute für alle gängigen Faltboote her. Es macht einen riesen Unterschied zur alten Haut. Die neue ist viel glatter und gleitet besser durchs Wasser. Außen sind Taschen für Wasserflaschen und Kleinkram angebracht. Eine umlaufende Leine macht das festhalten leicht. Vorne sind sogar Halter für eine kleine Schaufel und eine Axt. Es schreit geradezu danach lange Strecken zu fahren.

Seit dem fahre ich es immer mal wieder, vor allem im Urlaub. Auf den Seen in Schweden ist es perfekt, wegen des geringen Tiefgangs. Diverse Begegnungen mit Steinen hat es ohne Not überstanden. Die vielen Taschen füllen leider auch einen großen Kofferraum sehr schnell. Nicht so günstig wenn man mit der Familie in der Urlaub fährt. Die meiste Zeit liegt es aber im Keller.




