Es geht doch weiter (NOK und Ostsee)

Ein paar Tage nach dem missglückten Start bin ich zurück in Otterndorf. Die Entscheidung ist gefallen, es geht weiter Richtung Ostsee. Diesmal will ich allein fahren. Ohne Frau, ohne Kinder. Falls wieder etwas schief geht bin ich komplett alleine. Kein schöner Gedanke. Es hat aber auch etwas beruhigendes sich keine Sorgen um die Kinder machen zu müssen. Diesmal will ich mich ganz und gar auf des Boot konzentrieren.

In Otterndorf angekommen kontrolliere ich alles an Bord. Alles scheint in Ordnung zu sein. Wird der Motor durchhalten? Ist die Dichtung vom Saildrive unbeschädigt? Solche Gedanken beschäftigen mich den ganzen Tag. Am nächsten Tag soll es losgehen. Es ist schwer Schlaf zu finden, ich bin nervös.

Es ist Donnerstag der 1.8.2019. Tag der Entscheidung. Wenn es heute wieder schlecht läuft ist das vermutlich das Ende meiner Wassersportambitionen. Wenn es gut läuft? Schwer zu glauben das es gut läuft. Gegen Mittag sollte die Flut die Ausfahrt aus dem Hafen erlauben. Das Wetter ist gut, wenig Wind. Zeit für ein Seglerfrühstück. Meine Gedanken rasen, ich bin aufgeregt. Um 11:30 ist die Flut hoch genug. Die Strömung wird mich schnell Richtung Brunsbüttel bringen. Mit jeder Seemeile werde ich ruhiger. Die Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal kommt in Sicht. Als hätte man auf mich gewartet kann ich direkt in die Schleusenkammer fahren. Um 13:30 schließen die Tore. Ich kann es kaum fassen, ich habe die Nordsee verlassen. Es erwartet mich eine lange Fahrt durch den Kanal. Ich habe errechnet das es 11 Stunden dauern müsste. Keine Chance das noch an diesem Tag zu schaffen. Die Tore öffnen sich, es geht los.

Die Fahrt durch den Kanal dauert schier ewig. Nach ein paar Stunden entschließe ich den Autopiloten zu benutzen. Es ist zwar verboten, aber mir bleibt keine Wahl. Das Wasser ist mir ausgegangen und ich muss aufs Klo. Manchmal ist es sehr schwer single handed zu fahren. Niemand da um mich abzulösen. Auf einer längeren geraden Strecke übernimmt mein Autopilot das Ruder. Ich werde ihn jetzt häufiger einsetzen.

Für eine Liegestelle zum Übernachten musste ich mich entscheiden. Die Gieselau-Schleuse war nicht mehr weit weg. Dort kann man an einem Steg anlegen zum Übernachten. Oder doch weiter bis Rendsburg? Theoretisch wäre es zu schaffen, kurz vor Einbruch der Dunkelheit dort zu sein. Ich ging das Risiko ein und musste noch einige Stunden weiter fahren.

Gegen 19:00 höre ich ein merkwürdiges Geräusch. Es ist das Motorpanel. Die Warnlampe für die Lichtmaschine leuchtet. Ich fahre einfach weiter. Zurück kommt nicht in frage und bis Rendsburg bin ich noch zwei Stunden unterwegs. Nach fast einer Stunde geht der Alarm wieder aus. Später stellte sich raus das die Lampen falsch beschriftet sind. Es war die Warnungen das der Motor zu warm ist. Vermutlich nur ein Wackelkontakt. Der Fehler trat nicht mehr auf. Es wurde langsam dunkel als endlich Rendsburg in Sichtweite lag. Kurz nach 21:30 lege ich am Steg an. Fix und fertig, aber stolz auf die Strecke die ich geschafft hatte. Der Motor und das Getriebe haben gut durchgehalten. Nun ist es nicht mehr weit zur Ostsee.

Am nächsten morgen bin ich wie gerädert. Die Stegnachbarn verlassen früh die Marina. Es wird immer leerer. Ich bin froh so weit gefahren zu sein. Ich kontrolliere wieder alles. Etwas Motoröl fehlt, ich fülle nach. Der Tank ist halb leer, der volle Kanister steht bereit. Dann geht es weiter. Stunden vergehen. Endlich bin ich in Kiel, kann es kaum fassen. Noch schnell bezahlen und rüber zur Schleuse fahren. Als hätte man auf mich gewartet stehen die Tore auf. Ich fahre rein, werde geschleust und bin endlich in der Ostsee.

Wie schön es doch in der Kieler Förde ist. Was für ein Unterschied zur Nordsee. Keine Gezeiten mit der starken Strömung. Überall sieht man Segelboote, große und kleine.

Moment mal, Kiel? Noch vor zwei Tagen kam mir Kiel unendlich weit weg vor und ich wollte nicht weiterfahren als bis hier. Falls ich es überhaupt jemals bis Kiel schaffen würde. Wie mache ich weiter? Zeit für ein kurzes Resümee.

Mit meiner Frau und den zwei kleine Kindern war ich schon häufiger auf dem Boot. Auf gerade mal 7 Meter Länge schon schwierig genug. Mit etwas Organisation aber gut auszuhalten. Wenn man allerdings probiert so zu segeln hört der Spaß auf. Mit so kleinen Kindern (1+3 Jahre) kann ich nur davon abraten. Vielleicht ein, oder zwei Stunden bei perfektem Wetter. Raus aus dem Hafen und wieder zurück. Mehr ist nicht drin. Alleine sieht die Sache anders aus. Man hat ausreichend Platz. Alles ist gut erreichbar und leicht zu handeln. Zwei erwachsene sind auch noch okay, für Tagestouren.

Ich glaube die Grenzen jetzt zu kennen. Der Spaß am fahren ist zurück, die Angst verschwunden. Kiel wird nicht das Ende der Reise, es geht weiter Richtung Kröslin. Ich beschließe die Kieler Förde zu verlassen und setze Kurs auf Wendtorf. Am Nachmittag bin in angekommen. Tags darauf geht es weiter nach Heiligenhafen. Meine Frau und die Kinder warten dort auf mich.

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