Leisure 17 Refit

An der alten Leisure 17 war einiges zu tun. Da das mein erstes GFK Boot war hatte ich von vielen Dingen keine Ahnung. Ich hatte natürlich viel gelesen und mit Leuten geredet die sich auskennen. Allerdings ist selber machen immer nochmal was anderes. Es stellte sich heraus das der Zustand schlechter war als gehofft. Vor allem die gesalzenen Preise für alles was mit dem Zusatz „Boot“ versehen ist, war neu für mich. Auf den ersten Blick sah das Antifouling gut aus. Der Hochdruckreiniger lehrte mich eines besseren. Selbst der Trailer, der erst neuen TÜV hatte, war schwer beschädigt. Das sollte ich aber erst später herausfinden. Das lackierte Deck sah gut aus. Nur eine Saison an der Ostsee später war es ruiniert. Rückblickend war es ein gutes Gesellenstück. Ich habe viel gelernt. An einem alten, preiswerten Boot bastelt es sich entspannter als an einem neuen für viele zehntausend Euro. Aber der Reihe nach.

Rumpfsanierung

Der alte Lack musste runter. Schon beim ersten kärchern kamen dicke Brocken altes Antifouling runter. Zurück blieb eine Kraterlandschaft in diversen Farben.

So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Kaum angefangen, schon war mein Zeitplan dahin. Ich entschied mich, wie so oft, nicht zu pfuschen. Alles sollte runter bis zum Gelcoat. So konnte ich auch auf Osmose prüfen. Ich hatte gelesen das so was bei alten Booten vorkommt. Nur wie entfernt man Antifouling? Klar schleifen! Dauert leider ewig und ist sehr anstrengend. Beizen geht bestimmt leicht. Waren zu viele Schichten. Irgendwann habe ich eine Ziehklinge gekauft. Das ist das perfekte Werkzeug dafür. Anstrengend war es trotzdem. Die Kiele wollten auch entrostet werden. Zum Glück keine Spur von Osmose! Dann ging es ans neu lackieren. Grundierung streichen, Antifouling streichen. Kein Problem. Und weil das alte Himmelblau seine besten Tage hinter sich hatte, sollte auch über Wasser neuer Lack her. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Als nächstes wollte ich das Holz lackieren. Das war zum Glück keine große Sache. Die Saison konnte kommen. Einige Sachen blieben unerledigt. Im darauffolgenden Herbst ging es weiter.

Ich musste die Fenster neu abdichten, ein Landstromanschluss sollte her. Überhaupt Elektrik musste her. Es war ja nichts vorhanden. Es sollte zumindest innen eine Lampe geben und ein Radio. Navigationleuchten wollte ich auch. Ob man bei so einem kleinen Boot unbedingt einen Landanschluss braucht? Ich fand es praktisch, vor allem am Liegeplatz in der Marina. Das große Problem war bei allen Einbauten, wohin damit. Es sollte ja nicht stören, aber jederzeit leicht erreichbar sein. Wie verlegt man überhaupt Kabel auf einem Boot? Alle Lösungen die ich im Internet fand waren entweder nicht umsetzbar, oder überzeugten mich nicht. Am Ende fand ich eine Lösung in normalen Kabelkanälen. Die musste ich ansägen um den Konturen des Bootes zu folgen. Fixiert wurde alles mit Sikaflex. Das Schaltpaneel wurde in die Rückenlehne eingebaut. Eine optisch gute Lösung. Genug Platz für die Verdrahtung war auch vorhanden. Zum Schluss noch ein Echolot, ein Funkgerät, ein Radio mit Aufbaulautsprechern und ein Batteriesockel rein. Der Einbau vom Echolot war für mich nur wegen des Gebers kompliziert. Ich wollte auf gar keinen Fall einem Rumpfdurchbruch machen. Bei der Form des Rumpfes, im infragekommenden Bereich zwischen Kiel und Ruder, macht ein Durchbruch auch kaum Sinn. Es blieb also nur der Inneneinbau mit einem ölgefülltem Rohr. Mit etwas epoxy wird das Rohr auf den Boden geklebt. Leider war es nicht dicht und das ganze Öl lief aus. Nach vielen Stunden Basteln war dann aber alles fertig und funktionierte.

Kaum war das geschafft brauchte der Anhänger neuen TÜV. In den 90ern wurde er schon einmal Generalüberholt. Kurze Sichtprüfung und die Katastrophe war gefunden. Die ganze Achse war von innen durchgerostet. Ein neuer Anhänger hätte den Wert des Bootes um das doppelte überstiegen. Die Firma Habeck hatte mir ein Angebot gemacht. Ich glaube um die 4000€ sollte es kosten. Also fiel die Entscheidung den alten zu retten. Es ist ein originaler Wolfangel Anhänger. Soweit ich weiß gibt es die Firma nicht mehr. Also blieb mir nur eine neue Achse einbauen. Die passende Achse gibt es natürlich nicht, aber eine sehr ähnliche. Ein Arbeitskollege konnte beim Umbau machen . Ein Mann vom Fach mit eigener Werkstatt. Die alte Achse musste mit der Flex abgetrennt werden. Die neuen Achse hatte eine andere Form und die Tragepunkte waren an der falschen Stelle. Wir mussten also vier passende Bleche herstellen. Die Bleche sollten die Achse mit dem Anhänger verbinden. Da die ganze Last darauf ruht musste es sehr dicker Stahl sein. Auch die Schweißnähte müssen über Zweifel erhaben sein. Die Position der neuen Achse musste ganz präzise Stimmen, sonst fährt der Anhänger später nicht geradeaus. Neu lackiert wurde der Anhänger auch noch. Am Ende war der TÜV durch, die Saison konnte kommen.

Jetzt war noch etwas Kleinkram auf der to-do Liste. Innen sollten neue Polster und Vorhänge kommen, sowie Sitzkissen für die Plicht. Ausserdem waren die Rückenlehnen innen mit Kork verkleidet, was nicht schön aussieht. Eine Verkleidung aus Stoff sollte es aufhübschen. Das Material dafür habe ich teilweise vom Vorbesitzer dazu bekommen, teilweise neu gekauft. Am Ende wollte ich noch den gesamten Innenraum mit Stoff verkleiden. Vielleicht mit Filz oder Kunstleder. Das Deck sollte neu lackiert werden und eine Solarzelle sollte noch montiert werden. Dazu kam es nicht mehr. Ich habe das Boot vorher verkauft.

Zu diesem Zeitpunkt, nach der Anhängerreparatur, hatte ich schon mein neues Boot. Ich wollte das alte aber noch unbedingt fertig bekommen. Das Material war eh schon gekauft und wartete im Keller. Da mir das basteln viel Spaß macht, hab ich alles noch fertig gestellt. Außerdem, wer mag schon ein halb fertiges Boot kaufen?

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