Hurra es ist soweit. Nach fast zwei Jahren in Cuxhaven soll es jetzt endlich nach Kröslin gehen. Ich habe mir fünf Wochen Urlaub genommen. Müsste reichen. Die Familie kommt auch mit. Ob das gut geht? Zu viert auf nur 7 Meter Boot? Zeit es herausfinden.
Und schon beginnen die Probleme. Es geht ums proviantieren. Wie lange muss man auskommen mit den Sachen an Bord? Nicht das ich mir vorher keine Gedanken gemacht hätte, aber in der Praxis ist es doch schwierig. Vor allem Sachen für kleine Kinder bekommt man nicht überall. Marinas sind eher auf ältere Semester eingerichtet. Es dauerte eine ganze Woche bis wir glaubten alles zu haben und uns eingelebt hatten. Dann sollte es wirklich los gehen.
Es war früh, die Kinder lagen noch in den Kojen. Der Motor war warmgelaufen und die Brücke würde bald aufgehen. Um die Citymarina zu verlassen muss man immer durch eine Klappbrücke fahren. Kurz vor 8:30 war es soweit. Leinen los. Die Strömung sollte uns schnell nach Brunsbüttel bringen. Der Wind kam zwar auch aus der Richtung, aber das kümmerte mich nicht. Die Aufregung war riesengroß. Die Brücke war schnell passiert und schon waren wir in der Nordsee. Strömung gegen Wind haben die Wellen aufgetürmt. Es schaukelte wie verrückt. Bis dahin war noch alles in bester Ordnung. Die Kinder waren wach, aber ruhig.
Plötzlich war der Motor aus, ließ sich nicht mehr starten. Das Boot kam quer zu den Wellen. Alle 20 Sekunden 30 grad oder mehr Schräglage. Hin und her. Jetzt rächte sich die Windrichtung gnadenlos. Keine Chance gehenan zu segeln. Zurück nach Cuxhaven? Ging auch nicht. Die Strömung war viel zu stark. Als ich die Genua reffen wollte verklemmte sich alles hoffnungslos. Da trieben wir also in der Nordsee vor uns hin. Keiner unter Deck der sich nicht schon mehrfach übergeben hätte. Das wäre noch Stunden weitergegangen. Ich rief also die Seenotretter.
So habe ich mir das nicht vorgestellt. Wir waren keine 10 Seemeilen vor Cuxhaven, noch 300 zu fahren, und schon in Seenot. Nach kurzer Zeit kam ein kleiner Seenotkreuzer in Sicht und nahm uns in Schlepp. Nach kurzer Fahrt machten wir in Otterndorf fest. Was für eine Erleichterung. Kein schaukeln mehr, die Kinder sind in Sicherheit. Ich hatte die Nase voll, meine Frau um so mehr. Gedanken das Boot zu verkaufen kommen mir. Aber wer kauft schon ein kaputtes Boot? Und was sollen wir die restlichen vier Wochen machen? Zuhause rumsitzen kam nicht in frage. Zwar gibt es keinen Kran in Otterndorf, aber eine Trockenfallanlage. Bei Ebbe steht das Boot dann auf einer Betonplatte. Perfekt, schließlich ist Karlito ein Kimmkieler. Mit dem Vereinsboot wird Karlito also in die Anlage geschleppt. Dann heißt es warten. In der Zwischenzeit entdecken wir das ein schöner Strand in der Nähe ist. Ein kleiner Spielplatz ist auch da. Glück im Unglück.

Als die Ebbe endlich da ist kommt das Problem zum Vorschein. Ein Seil in der Schraube. So ein Ärger. Es sitzt sehr fest, kein Wunder das der Motor nicht lieg. Immerhin scheint sonst alles unbeschädigt zu sein. Mit der Flut fahre ich in eine freie Box am Steg gegenüber. Der Schreck sitzt zu tief um gleich weiter zu fahren. Wir beschließen erstmal zurück nach Berlin zu fahren und zu überlegen wie es weitergeht. Das Auto steht noch in Cuxhaven. Zum Glück keine weite Fahrt. Alles steht auf der Kippe. Wie weiter? Zurück nach Cuxhaven? Boot verkaufen? Weiterfahren, wieder mit Familie, oder allein? Ich bin froh als es zurück nach Berlin geht.
Segeln bedeutet viel Erfahrung sammeln. Setzt euch die Ziele einfach kleiner und dann werdet ihr Freude und viel Spaß erleben. Danke für diesen Blog. Stefan.
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Mein Ziel habe ich am Ende erreicht. Bin gerade hier in Kröslin. Bin leider nicht so schnell mit schreiben wie mit segeln.
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